Schulzusammenschluss

 

Quelle: Jungfrau Zeitung vom 12.09.2004

 

Drei Gemeinden sagen Ja zur Fusion

Ab 2005/06 machen Brienzwiler, Hofstetten und Schwanden gemeinsam Schule

 

chd/ci/maba. Die Gemeinden Brienzwiler, Hofstetten und Schwanden machen sich Sorgen um das Weiterbestehen ihrer Schulen. In langjähriger Arbeit entstand ein Projekt zur gemeinsamen Schulzusammenlegung. Am vergangenen Freitagabend hatte das Volk in den drei Gemeinden darüber zu entscheiden.

 

Der Schritt zur Zusammenlegung der Schulen wird notwendig, weil die Schülerzahlen in Schwanden, Brienzwiler und Hofstetten stark rückläufig sind. So besuchen im laufenden Schuljahr noch 172 Kinder die drei Gemeindeschulen. 2010/11 werden es nach Berechnung noch 122 Schülerinnen und Schüler sein. Die geplante Schulzusammenlegung der Gemeinden Brienzwiler, Hofstetten und Schwanden soll es möglich machen, die Kinder in der Unter- und Mittelstufe in reinen Jahrgangsklassen zu unterrichten, mit einem in grossen Gemeinden üblichen umfangreichen Freifächerangebot. Einzig die Realschule (7.bis 9.Schuljahr) kann aufgrund der Schülerzahlen nicht durchwegs in reinen Jahrgangklassen geführt werden. Das Modell sieht vor, dass der Kindergarten und die 1. sowie 2. Klasse in Brienzwiler geführt werden. In Schwanden gehen die Dritt- bis Sechstklässler zur Schule und Hofstetten führt die Realschule. Sitzgemeinde der neuen Schule wird Hofstetten, welche auch die Rechnungsführung besorgt. Die Kosten werden nach Schülerzahl auf die drei Gemeinden verteilt. Jedes Schulhaus behält seinen Hauswart, er bleibt Gemeindeangestellter. Die Schulkommission besteht aus je zwei Mitgliedern pro Gemeinde.

Zum gleichen Zeitpunkt fanden am vergangenen Freitagabend in den drei Gemeinden ausserordentliche Gemeindeversammlungen statt. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger hatten an diesem Abend über die Zukunft ihrer Kinder zu entscheiden.

 

Brienzwiler: Pionierprojekt Schulzusammenschluss

Die Stimmung an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung in Brienzwiler war ziemlich angespannt. Negative Stimmen ereiferten sich über den Verlust der Autonomie und schwärmten von der Gesamtschule, wie sie einst war. Betroffene Eltern glaubten allerdings überzeugt, dass ihre Kinder vom Einklassenunterricht erheblich profitieren können, da heute deutlich mehr Anforderungen an Lehrlinge gestellt werden, als noch vor zwanzig Jahren. Die Chancen für Kinder mit Lernschwächen seien doch grösser, wenn der Lehrer sich auf den klassenspezifischen Stoff konzentrieren könne. Heutzutage sei es schwierig, Lehrkräfte zu finden, die mehrstufig unterrichten wollen und können, ausserdem seien die Lehrmittel nicht geeignet dazu. Ein massgebliches Argument war auch der Kindergarten, welcher in absehbarer Zeit wegen zu wenig Schüler hätte geschlossen werden müssen. Ein Versammlungsbesucher fand, es bestehe zum jetzigen Zeitpunkt kein dringender Handlungsbedarf. «Ist es nicht besser, früh genug selbstständig zu entscheiden, als später fremdbestimmt zu werden?», war das Gegenargument. Es wurde belastend still, als Gemeindepräsident Fritz Kläy zur Abstimmung aufforderte. Die Brienzwiler Bevölkerung bejahte um 21.15 Uhr, als letzte der drei Gemeinden, mit 78 zu sechs Stimmen das neue Schulmodell und den Zusammenarbeitsvertrag.

 

Hofstetten: Denkwürdige Abstimmung

Exakt 100 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger fanden in Hofstetten den Weg zur ausserordentlichen Gemeindeversammlung. «Die Gemeinde ist bestrebt, den Kindern die bestmögliche Bildung zu bieten. Und wenn Sie heute 'Ja' zu diesem Projekt sagen, können wir unseren Schülern die gleiche Bildung wie in Grossgemeinden und Agglomerationen bieten», bemerkte der Gemeindepräsident Simon Ernst. Die Diskussion gestaltete sich wenig hitzig. Einem Versammlungsteilnehmer gefiel nicht, dass der Kanton drohe und die Gemeinden unter Druck setze, indem er Klassen beliebig streichen könne. Brigitte Filly, Projektkoordinatorin der Schulkommission Hofstetten, erklärte, dass als Vorgaben dazu die Schülerzahlen dienen. Was mit dem Schulhaus passiere, wenn weniger Klassenräume benutzt würden, wollte ein weiterer Teilnehmer wissen. «Gibt es anstelle der Klassenzimmer Ferienwohnungen?», fügte er an. Simon Ernst konnte ihm seine Bedenken aus dem Weg räumen. «Durch die besser zustande kommenden Freifächer werden sicher die Schulzimmer weiterhin mehrfach benötigt.» Schlussendlich rief Simon Ernst zur «denkwürdigen» Abstimmung auf. Mit 68 Ja-Stimmen und 22 Gegenstimmen durfte nach nur 40 Minuten die Versammlung geschlossen werden. «Das Resultat wäre bei einer schriftlichen Abstimmung ganz anders herausgekommen», war das Schlusswort eines Hofstetters. Der Gemeindepräsident und die Versammlungsbesucher schenkten dieser Aussage allerdings kein Gehör.

 

Schwanden: Ein Ja der Vernunft

Die Meinungen für die Schulzusammenlegung waren gemacht, das spürte man an der nur 70 Minuten dauernden Gemeindeversammlung in Schwanden. Anwesend waren 88 Stimmberechtigte (20 Prozent), vor allem direktbetroffene Eltern. Als Gemeindepräsident Xaver Pfyl die Diskussion eröffnete, meldete sich niemand zu Wort. Nur Christoph Fuhrmann als moderater Gegner, machte auf die Reisebelastung der Unterstufenschüler aufmerksam und betonte, dass Mischklassen wieder im Trend sind. Simeon Mathyer brach eine Lanze für die schulische Chancengleichheit in kleinen Gemeinden. Die nachfolgende Abstimmung zeigte ein deutliches Bild: 73 Ja- zu 11 Nein-Stimmen.