Gewaltprävention

 

Quelle: Jungfrau Zeitung vom 29. März 2007

 

Das gute und das schlechte Geheimnis

Gewaltprävention mit der Kantonspolizei in der Schule bhs

«Wir wollen etwas unternehmen, bevor etwas geschieht», formulierte die Schulkommission der Schule Brienzwiler-Hofstetten-Schwanden bhs die Gründe, eine Gewaltprävention durchzuführen. In diesem Sinne sollen die Lehrkräfte, Eltern und Kinder sensibilisiert werden, hin- statt wegzuschauen. Die kompetente Schulung wurde durch spezialisierte Fachleute der Kantonspolizei, Ursula Aegler und Serge Muelheim, durchgeführt und stufengerecht vermittelt. Dass es für jedes Problem Ansprechpersonen gibt, war eine der wichtigsten Botschaften, welche in den Projekttagen den Kindern weitergegeben wurde. Zu dem Zweck schrieben sie auf ein grosses Blatt Papier alle Menschen auf, an die sie sich wenden können. Von der Mutter bis zum Hausarzt waren schliesslich unzählige Möglichkeiten aufgezeichnet, unter anderem auch die Notfall-Telefonnummer für Kinder: 147. Ursula Aegler erklärte den Klassen den Unterschied zwischen dem guten und schlechten Geheimnis: dass schlechte Geheimnisse traurige und ungute Gefühle auslösen und unbedingt jemandem anvertraut werden sollen.

 

Die Kindergärteler waren vom Streifenwagen begeistert. Hinten im Bild: Ursula Aegler, Kantonspolizei Bern, und Heinz Burkhalter aus Meiringen. Rechts die Kindergärtnerin Astrid Gasser.

Fotos: Christa Hofer-Durscher

Streifenwagen vor dem Schulhaus

Mit Rollenspielen versuchten die Kinder verschiedene alltäglich vorkommende Szenen aus dem realen Leben nachzuahmen und mit neu überdachten Handlungen anders zu gestalten. Hauptattraktion für die Mittelstufe, Unterstufe und Kindergarten war der Besuch des in Meiringen stationierten Polizisten Heinz Burkhalter. Der Streifenwagen vor dem Schulhaus beeindruckte die Kinder sehr, denn schliesslich steht nicht alle Tage ein uniformierter Polizist mit Pistole im Schulzimmer. Den Erzählungen zu seinem Berufsalltag lauschten sie gespannt. In gestellten Szenen übten die Kinder der Unterstufe, wie sie auf Autofahrer reagieren sollen, wenn sie von ihnen angesprochen werden. Dass sie zwar freundlich Auskunft geben, aber niemals zu jemandem einsteigen dürften. Zum grossen Gaudi aller Kinder führte Heinz Burkhalter seine, eine betrunkene Frau spielende, Kollegin, in Handschellen ab.

 

Die Auseinandersetzung mit realen schwierigen Situationen gestaltete sich mit den Kindern als sehr interessant.

Gefahr im Internet

Das laut und deutlich gesprochene Nein lag Ursula Aegler sehr am Herzen: «Wenn euch etwas Unrechtes geschieht, ruft laut Nein!» Dass diejenigen, welche das hören, zu Hilfe eilen sollen, schien den Zuhörenden klar. Der Oberstufe wurde ein Film zum Thema Erpressung und den Folgen von Verschweigen präsentiert. Hier widerspiegelte sich die traurige Tatsache, dass Gewalt oft aus innerer Verzweiflung und Frust geschieht. Deutlich erkannte man, dass diejenigen, welche andere nötigen, meist auch irgendwo Opfer von Gewalt sind oder waren und ihre Taten ihrerseits ein Hilferuf sind. Die Kantonspolizei klärte die Jugendlichen auch über die Gefahren von Alkohol, Drogen und Internet auf. Zu diesen Aspekten erhielten diese anschliessend aufschlussreiche Informationsbroschüren. Den Abschluss der Präventionsschulung bildeten je ein Eltern-/Schülerabend in jedem Schulhaus. Den Eltern wurden die wichtigsten Inhalte der Projekttage vermittelt. Ursula Aegler ermutigte sie, die Kinder oft zu loben, zu bestärken und ernst zu nehmen. Sie sollen auch dazu stehen, wenn sie etwas angestellt haben. Kinder werden stark, wenn sie die entstandenen Konsequenzen tragen und sich entschuldigen lernen, nicht wenn sich Eltern vermeintlich schützend davor stellen, um nach aussen zu vertreten: Mein Kind doch nicht...